Ongoing Kafka Research

Format of entries is:

  1. Working title of the project
  2. Date when project was begun, and likely completion date
  3. Description of the project (maximum 10 lines)
  4. Name(s) and university address of researcher(s)
  5. E-mail address and address of personal web page, if applicable
  6. Publication

 

Ongoing research projects

 

2010

 

1.1 Kafka in Frankenstein. Böhmische Nerven-Politik zwischen 1890 und 1938

  1. Begun 2007; expected completion: 2010/11.

  2. Das Projekt Kafka in Frankenstein gründet auf dem Impuls einer interdisziplinären Arbeitsgruppentagung von 2007 in Aussig (Tschechien), die sich insbesondere dem diskursiven Umfeld der Kafkaschen Sanatorien widmete. Das Sanatorium Frankenstein/Rumburk steht pars pro toto für all jene Naturheilanstalten, die Kafka bis 1915 als nervöser Patient aufsuchte; gleichzeitig aber bildet die Anstalt einen politisch brisanten "Ort des Heils" in Mitteleuropa, an dessen Errichtung zur "Deutschen Volksnervenheilanstalt für heimkehrende Krieger" der Prager Schriftsteller und Versicherungsangestellte aktiv mitwirkte. Die sich daran anknüpfenden Fragestellungen zur böhmischen Nerven-Politik bieten Gelegenheit zu einem produktiven Austausch zwischen unterschiedlichen Fachdisziplinen. Zahlreiches Archivmaterial ergänzt die Beiträge und lässt einen bisher kaum beachteten Abschnitt der Biographie Kafkas in neuem Licht erscheinen. 

  3. Benno Wagner, Prof. Allgemeine Literaturwissenschaft und Neuere deutsche Literaturwissenschaft, Universitaet Siegen, FB 3/AL, 57058 Siegen Germany; Ekkehard W. Haring, DAAD, Institut für Germanistik, Konstantins-Universität Nitra, 94974 Nitra / Slowakia.

  4. E-mail: Ekkehard W. Haring und Benno Wagner

 

1.2 Ambient Modernism: Kafka and Czech Modernist Culture

  1. Begun August 2008; expected completion in 2011.
  2. Investigation of the ‘Czech context’ to Kafka’s texts has generally focused on either the ethnic hostilities of fin-de-siècle Prague or the minutiae of scarce and scattered literary contacts.  The present study aims to transcend such frameworks through close reading of Kafka’s texts alongside certain (for the most part little-known) masterworks of Czech modernist literature.  Such comparative analysis is not undertaken in a spirit of mere eclecticism but rather to pursue the argument that Kafka’s own modernist strategies appear differently in such context.  Challenging the predominance of such categories of fragmentation, shock, and rejection in accounts of literary modernism, the study claims that much of what seems most characteristically baffling about Kafka’s texts — what is here termed his ‘ambient modernism’ — is best articulated theoretically not from the context of French, German, or Anglo-American high modernism but rather from the more specific features of Prague modernism. 
  3. Dr Peter Zusi, Lecturer on Czech with Slovak Studies, School of Slavonic and East European Studies, University College London, Gower St, London WC1E 6BT, UK.
  4. E-mail: Peter Zusi

 

 

 

 

2008

 

1.1 Franz Kafka: Scintillating Perspectives

  1. Begun June 2008; expected completion: September 2009.
  2. A book of 13 essays in English, most previously published by the authors in German and in English and now revised to sustain a single but capacious argument:  that Kafka’s work are thought-experiments with the materials of his literary and philosophical culture, e.g., Quételet, Nietzsche, Mach, Herzl. The “perspectives” in the title are like so many “objectives”— lenses or windows — built into the work, which attract and also deflect the light of interpretation.  No such window into the interior is entirely transparent; no gaze is focused enough not to glance off its glassy surface.  And because each of Kafka’s stories has many windows, a glance at one will communicate with another. These windows catch one another’s light:  perspectives scintillate.

  3. Stanley Corngold, Prof. of German and Comparative Literature, 219 East Pyne Bldg, Princeton University, Princeton New Jersey 08540 USA; Benno Wagner, Prof. Allgemeine Literaturwissenschaft und Neuere deutsche Literaturwissenschaft, Universitaet Siegen, FB 3/AL, 57058 Siegen Germany.

  4. E-mail: Stanley Corngold; Benno Wagner

 

2.1 Kafka und der Film: Über kinematographisches Erzählen

  1. Begun 2006; expected completion: 2009.
  2. Dass Franz Kafka ein passionierter Kinogänger war, dokumentieren seine Briefe und Tagebücher. Bisher hat man jedoch übersehen, wie stark auch seine literarische Arbeit durch die Wahrnehmungs- und Darstellungsformen des Films bestimmt wurde. Das Vorhaben erschließt verschiedene Formen von Kafkas kinematographischem Erzählen, die in den Techniken der Bildverknüpfung, der Verwendung konkreter Motive, den Sehperspektiven, der Körpersprache der Figuren und den dramaturgischen Mustern seiner Geschichten zutage treten. Es eröffnet ein verblüffendes Panorama narrativer bzw. diegetischer Muster, in denen Kafka die Bewegungsfolgen und Kamera­einstellungen, die Stoffe und die Mythen des frühen Kinos adaptiert. Grundlage der Arbeit sind zahlreiche neue Funde, die es erlauben, Kafkas Erzählen neu zu im Kontext des frühen Films zu beschreiben.
  3. Peter-André Alt, Prof. Neuere deutsche Literatur, Institut für Deutsche und Niederländische Philologie, FB Philosophie und Geisteswissenschaften, Freie Universität Berlin, Habelschwerdter Allee 45, D-14195 Berlin, Germany
  4. E-mail; Homepage
  5. Publication: Peter-André Alt: Kafka und der Film: Über kinematographisches Erzählen. München: Beck 2009. 238 pp. ISBN 978-3-406-58748-1.

 

3.1 Dionysos im Expressionismus. Transformationen des antiken Gottes bei Franz Kafka, Georg Heym und Franz Werfel (Dissertationsprojekt, FU Berlin)

  1. Begun: April 2008; expected completion: 2010/11.
  2. Ausgehend von privaten Indizien, die eine Auseinandersetzung Kafkas mit Dionysos nahe legen (Mänaden-Relief am Schreibtisch, emphatische Euripides-Notiz, Neigung zu Autoren, die selbst Figurationen des Dionysos entwarfen), werden Kafkas literarische Dionysos-Bezüge kenntlich gemacht und auf ihre charakteristische Umgestaltung sowie kontextuelle Anbindung hin beleuchtet. Von zentraler Bedeutung sind dabei die Erzählungen Ein altes Blatt (Mänaden werden zu Nomaden), Der neue Advokat (Indiensehnsucht) und die Jäger-Gracchus-Fragmente. Letztere integrieren auf eigentümliche Weise Merkmale des »Jäger Bacchus« (Euripides), Situationen des Symposions (Platon) und wahrscheinlich auch eine antike Bildvorlage (Exekias-Schale). Differenziert werden literarische Vorgänger (Heine, Hofmannsthal, Hamsun, Mann) und altertumswissenschaftliche (Rohde), philosophische (Nietzsche, Bachofen) sowie kunsthistorisch-archäologische Einflüsse besprochen.
  3. Steffen Hannig, Institut für Deutsche und Niederländische Philologie, FB Philosophie und Geisteswissenschaften, Freie Universität Berlin, Habelschwerdter Allee 45, D-14195 Berlin Germany
  4. E-mail

 

4.1 Seeing and Feeling in a Kafkaesque World (D.Phil German, University of Oxford)

  1. Begun: October 2006; expected completion: September 2009.

  2. My research investigates the cognitive and perceptual underpinnings of readers’ responses to fictional texts, with a particular focus on Kafka. As part of the broader aim of bringing a scientific approach to the study of literature – and, in particular, to investigating what makes Kafka’s writing so powerful – I have also designed an empirical study to measure reader responses to Kafka, with a particular focus on the spatial evocation of the fictional world. A scientifically informed exploration of how vision, imagination, and consciousness are involved in the reading process makes possible a new and cognitively valid way of discussing and classifying fictional texts. We can do so in terms of a true »realism«, which I show to be synonymous with the »Kafkaesque« – and which unsettles even as it compels.

  3. Emily Troscianko, Brasenose College, University of Oxford, Oxford OX1 4AJ, United Kingdom.

  4. E-mail

 

5.1 Intertextualität als Indikator interkultureller Kommunikation: Kulturelle Unterschiede in der Kafka-Rezeption (Habil., Cath. Univ. of Lublin, Poland)

  1. Expected completion: 2011.

  2. Die Rezeption von Kafkas Leben und Werk markiert stets auch eine Umschreibung und Einverleibung in den jeweiligen individuellen Diskurs, deren Verlauf, Richtung und Ergebnis mehr über den Rezipienten aussagen als über Kafka. Es ist nun interessant zu verfolgen, dass die Aufnahme und der Umgang mit Kafkas Biographie und Werk auch von der kulturellen Ausgangslage abhängt und sich also zwischen den Kulturen signifikant unterscheidet: So ist der Zugang in China beispielsweise vollkommen anders angelegt als in westeuropäischen Ländern. Das Projekt stellt hier die unterschiedlichen Arten eines intertextuellen Zugangs gegenüber und versucht auf diese Weise interkulturelle Unterschiede und Gemeinsamkeiten zu eruieren; all dies im Sinne einer interkulturell-kommunikativ angelegten Komparatistik.

  3. Dr. Roman Halfmann; Katholische Universität Lublin, Polen.

  4. E-mail; Homepage

 

6.1 Schrift-Bild. Über Kafkas Zeichnungen (DPhil German, Universität Braunschweig, Germany)

  1. Begun July 2006; expected completion: 2009.

  2. Die etwa fünfzig überlieferten Zeichnungen Kafkas bilden ein Netzwerk durch seine Schriften. Die gezeichneten Skizzen werden in diesem Projekt als Teil des literarischen Prozesses gesehen. Sie bieten einen anderen Blick auf das Phänomen Kafka. In ihnen liegen Reflexionsflächen des Schreibkomplexes, die durch wechselseitige Beleuchtung von Wort und Bild poetologisch gelesen werden sollen −  jeder Strich bedeutet. Die Zeichnungen markieren mitunter Bruchstellen, an denen sich das Performative des Schreibprozesses und Formungen von Szenen nachvollziehen lassen. Vor allem in epistolaren Medien dienen sie der Figurenkonstruktion im Hinblick auf das zu erschreibende Werk über die Wortsprache hinaus. Ferner lassen sich an der den gezeichneten Skizzen eingeschriebenen Wahrnehmungsweise Bezüge zum kulturellen Feld der Zeit zeigen, in das sich Kafka auch zeichnend positioniert.

  3. Friederike Fellner, Technische Universität Carolo-Wilhemina zu Braunschweig, Institut für Germanistik, Abteilung Neuere deutsche Literatur, Bienroder Weg 80, D-38106 Braunschweig, Germany.

  4. E-mail

 

7.1 "Du hast nicht genug Achtung vor der Schrift...": Zu Kafkas Ästhetik der Schrift (DPhil German, FU Berlin, Germany)

  1. Begun Oct 2008, expected completion: 2011.

  2. Kafkas Literatur ist, wie zu zeigen sein wird, eine von der Schrift her und auf die Schrift hin geschriebene Literatur. Daraus ergeben sich zwei große Fragenkomplexe: Welche literarischen Konsequenzen hat ein Schreiben, das auf die ästhetische Dimension und den materiellen Eigensinn der Schrift ausgerichtet ist? Welches ist die angemessene Lesehaltung gegenüber einem Text, dessen sichtbare Seite nur einzelne Buchstaben zeigen will? Da Kafka selbst keine poetologischen Schriften hinterlassen hat, ist seine Ästhetik allein seinem literarischen Werk zu entnehmen. Während die systematische Zusammenführung der Textpassagen aus seinem Gesamtwerk, in denen die Schrift und der mit ihr verbundene Akt des Schreibens und des Lesens thematisiert werden, einen ersten Zugang zu Kafkas Schriftverständnis ermöglicht, gilt es, anhand eines Vergleichs der Handschriften mit den Erstausgaben der von ihm autorisierten Drucke festzustellen, wie sich Kafkas Ästhetik der Schrift buchstäblich im Schrift-Bild niederschlägt. Hierzu bedarf es der ‚Schrift des Lesers‘, der zum Zweck der Orientierung aktiv in den gelesenen Text eingreift und auf diese Weise rezeptionsästhetisch eine Struktur freilegt, die dem Text von vornherein eingeschrieben ist, und die die Schrift als Schnittstelle von Technik und Kunst offensichtlich macht. Die Konzentration auf die Schrift lässt angesichts des Anspruchs der klassischen (literarischen) Moderne, das jeweilige Medium im Werk zu reflektieren und dabei die Grenzen des Möglichen auszuloten, eine lineare, an narrativen Abläufen ausgerichtete Rezeptionsform obsolet erscheinen. Deshalb richtet sich die Aufmerksamkeit auf die alternativen, nicht-linearen Lesepraktiken, zu denen die Texte auffordern, und die Methoden, die sich daraus ableiten lassen.

  3. Mareike Giertler, Freie Universität Berlin, DFG Graduiertenkolleg 1458 "Schriftbildlichkeit": Über Materialität, Wahrnehmbarkeit und Operativität von Notationen, Berlin, Germany.

  4. E-mail